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Kaffeeanbau in Brasilien

Der größte südamerikanische Staat ist auch der größte Kaffeelieferant auf dem Weltmarkt, denn er produziert jährlich 30-40 Millionen Säcke (rund 2,8 Mio. Tonnen), beinahe ein Drittel der Gesamtproduktion. Der Kaffeeanbau hat eine erhebliche Bedeu­tung für die brasilianische Wirtschaft, denn er stellt ungefähr 10 Prozent des Bruttoso­zialprodukts und 20 Prozent des Exports dar. Fünf Millionen Menschen sind in den 230.000 Fazendas beschäftigt, die sich über zwei Millionen Hektar Land in Höhenlagen zwischen 200 und 1000 Meter ausdehnen. Es gibt hier mehr als drei Milliarden Arabica-Pflanzcn. Die verbreitetsten Kaffeesorten sind: Bourbon, Typica, Mundo Novo, Catuai und Maragogype. Die Robustaerzeugung wird Conillon genannt. Die Brasilianer sind nicht nur große Kaffeehersteller, sondern auch gute Verbraucher: Sie selbst trinken den berühmten cafesino; der jährliche Ver­brauch pro Person erreicht dabei 3,5 Kilo­gramm.

In Übereinstimmung mit ihrer fatalistischen Lebensauffassung versuchen die Pflanzer nur selten, die von der Natur vorgegebenen Anbauverhältnisse zu optimieren. Lange Jahre hindurch wurden zum Beispiel die Pflänzchen nicht in den Nurseries groß ge­zogen, sondern die Samen direkt in den Boden gesteckt. Von den vier Bohnen, die eingesetzt wurden, sprossen ein oder zwei, doch der Erfolg dieser Aussaat war meist dem Zufall überlassen.

Heute haben sich die Nurseries durchge­setzt, Schattenbäume werden jedoch nur in den nördlicheren Plantagen gepflanzt, wäh­rend sie auch in südlichen Gebieten ein Schutz gegen die oft vorkommenden Frosteinbrüche sein könnten. Auch Bewässerungsanlagen sind kaum verbreitet, und so­mit hängt die Ernte stark von der Regelmäßigkeit der Niederschläge ab. Die neuen Pflanzen werden nach sechs Jahren beschnitten: der Stamm wird bis zu einem Meter abgesägt und die überflüssigen Äste beseitigt. Dieser Vorgang wird alle drei Jahre wiederholt. Da sich die Blütezeit auf die Monate von August bis November kon­zentriert, kann man die Ernte von Mai bis August nach der billigeren und schnelleren Stripping-Methode durchführen. Die von den Zweigen gestreiften Kirschen lässt man zu Boden fallen; erst später werden sie auf­gelesen. Zur Verarbeitung wird das kosten­günstigere Trockenverfahren angewandt. Man muss sich nicht wundern, wenn die bra­silianische Produktion im Laufe der Jahre großen quantitativen (von 14 bis 40 Millio­nen Säcke) und qualitativen Schwankungen unterliegt. Trotzdem sind die besten brasi­lianischen Kaffeesorten — der Santos aus den Mogiana-Hügeln und der Bahia Lavato (nasse Verarbeitung) aus der gleichnamigen Gegend — unvergleichbar gut in Geschmack, Stärke und Aroma: sie eignen sich außer­dem vorzüglich für Espressomischungen.

Kaffee aus Kenia

Kenia, die afrikanische Schweiz, wie dieses Land oft bezeichnet wird, ist ebenfalls be­rühmt für seine Kaffeequalität (die Her­stellung beschränkt sich auf 1,5 Millionen Säcke pro Jahr). Das milde und beständige Klima ist ideal sowohl für die Menschen wie für den Anbau der Arabica, die in den Sorten Bourbon und Kent bei 1500-2100 Me­tern ü.d.M. und in Höhen gedeihen, in denen es keinen Frost gibt. Die erforderliche Feuchtigkeit des Bodens wird in vielen Plantagen durch Bewässerungsanlagen ge­sichert; die Schattenbäume, meist Bananen, schützen die Sträucher vor der starken Sonne. Es gibt etwa 300.000 Plantagen, die in 150 Genossenschaften zusammengeschlossen sind; in Kenia gibt es keinen Privat­besitz. Der Staat tritt meist als Koordinator und Unterstützer der Kaffeeanbauer auf, seltener übernimmt er eine Kontrollfunk­tion. Deshalb wurden auch staatliche For­schungszentren für Züchtung und Pflanzen­schutz gegründet, die den Genossenschaften ständige Betreuung bieten. Auch in Kenia werden die Bäume so gestutzt, dass mehre­re Stämme aus einem Stumpf wachsen kön­nen; deshalb kann man in Kenia ertrags­fähige Kaffeesträucher finden, die im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gepflanzt worden sind. Es gibt hier zwei Hauptblüteperioden: Oktober-November und März-

Mai, auch wenn das ganze Jahr über kür­zere Blütezeiten möglich sind. Die Ernte er­folgt wöchentlich nach dem Picking-System, obwohl ein Großteil der Ernte – etwa 80 % -in den Monaten Juni bis September und vor allem von Oktober bis Januar eingeholt wird. Vorwiegend wird in den Plantagen nach der nassen Aufbereitung gearbeitet. Die noch mit der Pergamenthaut versehe­nen Bohnen werden in die Verarbeitungszentren der Hauptstadt Nairobi gebracht, wo sie geschält, gesäubert und in Säcke ver­laden werden. Der Rohkaffee wird vom Staat angekauft und bei Versteigerungen an die zugelassenen Exporteure (einige Dut­zend) weiterverkauft. Die Hersteller werden im Verhältnis zu den Preisen bezahlt, die bei den Versteigerungen erzielt werden; dies ist ein starker Anreiz für eine qualitativ hoch­wertige Produktion. Aus diesem Grunde sind die Preise des Kaffees aus Kenia auf dem internationalen Markt erheblich höher als der Durchschnitt. Die beste Qualität sind die mit AA ausgezeichneten Bohnen (AA be­deutet, dass die Bohnen übergroß sind). Der Kaffee ist nicht so bitter, sehr mild, säure-und gehaltreich; das Bouquet ist stark, blumig und beinahe fruchtig; es erinnert manchmal an den Duft von geröstetem Brot. Der Kenia-Kaffee wird vor allem für die Filterkaffeemischungen verwendet; bei den Espressomischungen verleiht auch eine nur geringe Menge dieser Sorte dem Kaffee ein ganz besonderes Aroma. Aufgrund des ho­hen Säuregehalts kann man diese Sorte nur in kleineren Mengen verwenden. Im Gegen­satz zu den Brasilianern und Guatemalteken trinken die Kenianer vorwiegend Tee. Ihr Kaffeeverbrauch pro Person und Jahr er­reicht nicht einmal 200 Gramm, so dass prak­tisch die gesamte Produktion exportiert wird (etwa ein Drittel des Gesamtexports).

Kaffeeanbau in Guatemala

Während Brasilien sowohl für Qualität als auch Quantität des Kaffeeanbaus bekannt ist, kann Guatemala vor allem seine ex­zellente Qualität rühmen. Die durchschnitt­liche Produktion erreicht nur 2,5 Millionen Säcke von den Sorten Bourbon, Typica und Maragogype, doch der Kaffee-Export macht ein Drittel der Gesamtausfuhr des Landes aus, und dieser Wirtschaftszweig beschäftigt beinahe ein Drittel der Bevölkerung. Die 64000 Plantagen erstrecken sich über 240 000 Hektar und befinden sich auf mittleren bis stark abfallenden Hängen in höhe­ren Lagen, die zum Teil die 2000 Meter übersteigen. Beinahe alle Plantagen sind von Schattenbäumen geschützt, die die rich­tige Sonneneinstrahlung sichern und den Frost fernhalten. Hier gibt es mehrere Nurseries, in denen die besten Samen verlesen und die jungen Setzlinge im ersten Jahr ge­pflegt werden. Die Sträucher werden nach einer speziellen Technik gestutzt, damit aus einem Baumstumpf mehrere Stämme wach­sen können. Dies garantiert einen hohen Er­trag und beste Qualität über mehrere Jahre hin. Auf Bewässerungsanlagen kann auf­grund der reichlichen Niederschläge zwi­schen Januar und März verzichtet werden. Die Ernte findet von September bis April nach der Picking-Methode statt; auf diese Weise können alle Kaffeekirschen gleich­förmig reifen. Die am stärksten verbreitete, aber auch schwierigste und kostenintensivste Verarbeitung der Früchte ist die sogenannte nasse Aufbereitung; nur die größeren Haziendas besitzen die dafür notwendigen Maschi­nen und Anlagen. Die kleineren Fincas liefern die Ernte an die Beneficiamento-Zentren, die überall zu finden sind und die nötigen Einrichtungen zur Verarbeitung besitzen. Die Sorgfalt bei der Kaffeeverarbeitung in Guatemala ist bewundernswert: Man lässt die Bohnen bis kurz vor dem Versand in ihrer Pergamenthaut; erst dann wird diese zähe, dicke Schutzhülle entfernt. Das Er­gebnis all dieser Mühen ist die Sorte Guate­mala SHB (Strictly Hard Bean: sehr harte Bohne), die aus den Gebieten von Coban, Antigua und Atitlan kommt. Dieser Kaffee ist sehr mild, kaum bitter, mit mittlerem Säuregehalt und gehaltvoll; sein Aroma ist sehr ausgeprägt, seine Nuancen reichen von schokoladeartig bis blumig. Diese Sorte ist die ideale Ergänzung für die Espresso Mischungen und einer der beliebtesten für den Filterkaffee.