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Die Geschichte des Kaffeefilters

Kaffeefilter: 1800, Frankreich. Seit seiner Entdeckung durch einen äthiopischen Ziegenhirten namens Kaldi im Jahr 850 n. Chr. war Kaffee ein beliebtes Nahrungsmittel und Getränk. Doch bis zur Erfindung der französischen Filterkanne im Jahr 1800 gab es kein Gerät auf dem Markt, um den braunen Trank zu brühen. Man bereitete bis dahin den Kaffee einfach als einen Aufguss aus gerösteten und gemahlenen Bohnen zu, der durch ein Tuch oder ein Sieb gegeben wurde. Das Kaffeemehl wurde laut Gebrauchsanweisung so lange gekocht, »bis der Kaffee gut duftete«.

Die Filterkanne, so einfach sie auch war, stellte eine will­kommene Bereicherung der Küchengeräte dar. Sie wurde von dem französischen Pharmazeuten R. Descroisilles konstruiert, und bestand aus zwei schlanken Metallbehäl­tern aus Zinn oder Kupfer, zwischen denen sich eine Filterplatte befand. Um 1850 kamen in Frankreich die ersten emaillierten Filterkannen auf den Markt.

Die erste amerikanische Version der Filterkanne wurde im Jahr 1873 patentiert. Der Einkammerzylinder enthielt eine Filterscheibe, die durch den Kaffeesud hindurch nach unten gedrückt wurde, so dass der Kaffeesatz am Boden blieb. Leider waren Filter und Zylinder nicht immer passgenau aufeinander abgestimmt, so dass nicht das gesamte Kaffeemehl von der Flüssigkeit getrennt wurde. Dieser Mangel verdross eine Frau so sehr, dass sie sich an die Erfindung eines eigenen Kaffeefilters machte.

Papierfilter. Im Jahr 1907 begann in Dresden Melitta Bentz, die Frau eines Kaffeerösters und Herstellers von Haushalts­artikeln, unterschiedliche Materialen als Filterschicht zwischen den beiden Kammern einer Filterkanne auszuprobieren. Zu­nächst hatte sie es mit Baumwollgewebe versucht, doch dies erwies sich als nicht haltbar genug. Schließlich fand sie ein nahezu perfektes, strapazierfähiges poröses Papier, als sie ein Stück Löschpapier ausschnitt – – die Geburtsstunde des Melitta- Filters.

Zu dieser Zeit stagnierte in den Vereinigten Staaten der Absatz von Filterkannen für Kaffee, und die Hersteller verfielen auf eine Idee, die bis Ende der zwanziger Jahre großen Anklang fand — die Kombination mehrerer Funktionen in einem einzigen Gerät. Ein besonders erfolgreiches Beispiel für dieses Konzept war der Perc-O-Toaster, mit dem man nicht nur Weißbrot toasten, sondern auch Waffeln backen und Kaffee filtern konnte. Am meisten mochten die amerikanischen Hausfrauen jedoch den Teil des Geräts, mit dem man Filterkaffee zubereiten konnte, und aus diesem Grund lief das Modell in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts allen konkurrierenden Filterkannen den Rang ab.

Die historischen Cafes

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts über­nahmen die Cafés verstärkt die Rolle literari­scher und kultureller Zirkel. Die bekanntesten in Italien waren der »Circolo Aragno« in Rom, der »Circolo Michelangelo« in Florenz und der »Circolo Fiorio« in Turin, aber in allen italienischen und europäischen Städten gab es diese Kulturtreffs.

Viele hatten im Laufe der Jahrhunderte ihren Prunk und ihre kulturelle Zweckbestimmung beibehalten, vor allem in Italien, was eigentlich als Bestätigung für die Vorliebe dieses Landes für das schwarze Getränk ausgelegt werden könnte. In Italien gibt es vielleicht heute noch die größte Anzahl historischer Cafés. Um nur einige zu nennen: das Cafe Greco und das Aragno in Rom, das Gambrinus in Neapel, in Flo­renz das Café Giubbe Rosse und das Gilli, in Venedig Florian und Quadri, in Padua das Cafe Pedrocchi, in Triest das Tommaseo und das San Marco, in Turin das Platti, das San Carlo, das Fiorio, Baratti und Milano. Sie zeu­gen von der Vergangenheit und der Rolle der Kaffeehäuser und somit des Kaffees in der ge­sellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturel­len Entwicklung; auch heute noch gelten sie als Treffpunkt der internationalen Gesellschaft. In einigen Kaffeehäusern werden Debatten ge­führt und Tagungen organisiert oder auch Konzerte in der besten französischen Tradition des Café chantant abgehalten. Phantasiereiche Legenden umhüllen das be­rühmteste und älteste unter den italienischen Kaffeehäusern, das venezianische Cafe Flo­rian (1720). Man findet es direkt am Markusplatz unter den Laubengängen der Procuratie Nuove; in vielen kleinen Sälen, die eigene Namen tragen (saletta »cinese«, »greca«, »dei quadri«, »del Senato«) und von denen einer nach langen Restaurierungsarbeiten jetzt wie­der dem Publikum zugänglich gemacht wurde, kann man einen kleinen Espresso genießen. An den Wänden kann man Fresken, Malereien und goldene Einlegearbeiten bewundern; die Holz- und Marmortischchen und die Stühle, auf denen Casanova, Parini, D’Annunzio, Goethe, Dickens, Proust und viele andere berühmte Leute gesessen haben, sind noch be­stens erhalten. Hier wurden nach dem Jahre 1760 mehrere Zeitschriften gegründet, darun­ter auch die »Gazzetta Veneta« von Gaspare Gozzi. Der eigentlich so einfache Ritus des Kaffeetrinkens erlangt hier besondere Feier­lichkeit und Würde. Vielleicht ist es auch die herrliche Ausstattung der Säle oder das über­wältigende, einzigartige Gefühl, an den klei­nen Tischchen auf dem Markusplatz zu sitzen und bequem die Paläste und die Basilika zu be­wundern.

Das römische Cafe Greco wurde in der Via Condotti, wenige Schritte von der Piazza di Spagna entfernt, nur wenige Jahre später als das Café Florian eröffnet. Die unscheinbare Fassade des Gebäudes birgt ein weitläufiges, in viele kleine Säle unterteiltes Lokal, die durch einen engen Gang miteinander verbunden sind. Der »rote Saal« ist für wichtige Persön­lichkeiten reserviert. Auch die Wände des Cafe Greco sind mit kostbaren Gemälden -darunter Werke von Vincenzo Giovannini — und Statuen und Figuren ausgeschmückt; es gibt sogar eine Bibliothek mit antiken Bänden und Dokumenten. Die Liste der berühmten Gäste des Cafés ist zu lang, um alle aufzuzäh­len. Neben Literaten und Künstlern waren hier Könige und Herrscher zu Gast, wie Ludwig I. von Bayern und Konstantin von Griechen­land, Staatsmänner wie Präsident Kennedy und Mitterrand und sogar ein Papst, Leo XIII. Auch heute kann man dort Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben oder der Theater­welt begegnen.

Das Cafe Pedrocchi in Padua ist jünger als das Florian und das Greco: Es wurde 1831 von Antonio Pedrocchi, der von seinem Vater einen alten, bescheidenen Kaffeeladen übernommen hatte, eröffnet. Pläne und Entwurf stammen von dem venezianischen Architekten Giuseppe Jappelli. Das Café Pedrocchi, das vor kurzem vollständig renoviert wurde, um den Marmor­böden und den Wänden den alten Glanz wieder zu verleihen, gilt heutzutage als »Tempel« der Kaffeewelt. Am Eingang wachen Löwenstatuen aus Naturstein über die Gäste, die im Sommer im Freien vor dem Cafe sitzen; im Inneren des Erdgeschosses befindet sich der Hauptsaal, wo man an einer behauenen Marmortheke genüsslich Kaffee trinken kann. Im Obergeschoß hegen etwa zehn verschiedenartig dekorierte Säle, wo man sich im Winter gemütlich an die kleinen Tische setzen kann. Das Cafe Pedrocchi ist eine Mischung verschiedener architekto­nischer Stilarten, die vielleicht etwas gewagt sein mag, aber durchaus einen angenehmen Eindruck erweckt. Man sollte sich Zeit neh­men, um sich die Säle in aller Ruhe anzusehen. Um den Ansprüchen und Bedürfnissen einer heterogenen Kundschaft von Touristen und im Zentrum arbeitenden Stadtbewohnern entge­gen zu kommen, hat der Geschäftsführer des Pedrocchi beschlossen, eine besondere Theke für eilige Kunden einzurichten und die prunk­vollen antiken Säle anspruchsvollem Publikum vorzubehalten. Diese Form könnte als Beispiel für die moderne Entwicklung des historischen Cafés gelten.

Die Beliebtheit der Kaffeehäuser ist seit Jahr­hunderten ungebrochen, so dass man um ihre Zukunft nicht zu bangen braucht. Wenn auch der Besuch einiger dieser Cafés den Eindruck eines Museumsbesuchs erwecken kann, da den Fresken an den Wänden weitaus mehr Auf­merksamkeit gewidmet wird als der Qualität der Getränke, so gibt es doch viele andere, in die man mit der Absicht eintritt, das Produkt zu genießen, das seit Jahren die Berühmtheit des Lokals unterstützt: eine heiße Wiener Scho­kolade, einen Modeaperitif, einen besonderen Espresso. Von längst vergangenen Zeiten, als man in den prunkvollen, mit Stuckarbeiten und Spiegeln geschmückten Sälen hohe geistliche Herren und gekrönte Häupter antreffen konnte, über jüngere Zeiten, in denen Wissen­schaftler und Bohemiens an den Marmortischchen exklusive Kreise gründeten, kommt man auf unsere Tage und entdeckt, dass sich in den Kaffeehäusern ein kunterbuntes Leben ab­spielt: Man spielt Karten, Schach, Billard; man lernt, trifft sich mit Freunden, führt geschäft­liche Verhandlungen, Auch dem Alltag lassen sich so angenehme Seiten abgewinnen.

Die Geschichte des Kaffeehauses

Seit die Araber Ende des 14. Jahrhunderts den Röstprozess und das uns überlieferte schwarze Getränk erfunden hatten, verfolgte der Kaffee gleichsam eine doppelte Laufbahn: eine private und eine öffentliche. Die erste spielte sich im Familienkreis ab, die zweite wurde im Laufe der Jahre durch kulturelle und soziale Ereig­nisse geprägt.

Die ersten zwei Cafés wurden 1554 in Konstantinopel eröffnet. Da sie großen Erfolg hatten, gab es bald an allen Ecken Cafés. Die qahveh khaneh wurden auch »Weisheitsschulen« ge­nannt, denn sie waren beliebter Treffpunkt von Gelehrten und Schriftstellern, die dort unter der berauschenden Wirkung des aroma­tischen Tranks ihre kulturellen und politischen Auseinandersetzungen ausfochten. In den Cafés konnte man Musik hören, den Fabeln und Legenden der Bänkelsänger lauschen, Schach oder mancalah, eine Art Backgammon, spielen, sich unterhalten oder neue Bekannt­schaften, oft auch mit Reisenden aus fernen Ländern, schließen. Häufig wurden vor einer dampfenden Kaffeetasse wichtige Verträge ab­geschlossen. In den antiken Kaffeehäusern Konstantinopels, den Vorläufern der europäi­schen Cafés, ging es äußerst lebhaft zu, sie prägten das Bild der Stadt und waren der Anlass zum wirtschaftlichen und sozialen Auf­schwung sowie die Wiege kultureller und politischer Bewegungen. Gerade wegen ihrer Rolle als Treffpunkt der Intellektuellen, deren Tätig­keit von den Herrschern oft als revolutionäre Propaganda ausgelegt wurde, mussten die qah­veh khaneh dreimal wegen illegaler Aktivität schließen. Aber alle Verbote nützten nichts: Die Bevölkerung beachtete sie nicht, das Kaffee trinken und das ganze Drumherum gehörte zu den tief eingebürgerten Gewohnheiten, zu einem Ritus des türkischen Daseins. Als im darauffolgenden Jahrhundert auch in Europa die ersten Kaffeehäuser eröffnet wur­den, machte das türkische Modell Schule. Eini­ge phantasiereiche Händler aus dem Orient versuchten den Trank zuerst unter der Bevöl­kerung der unteren und mittleren Sozial Schichten einzuführen; sicher hatten sie dabei an die Beliebtheit des Kaffees in den arabischen Län­dern gedacht; aber nachdem weder die Stra­ßenverkäufer noch die bescheidenen Cafés den erhofften Erfolg erzielt hatten, entstanden nach und nach elegante, prunkvolle Kaffee­häuser für eine kultivierte, wohlhabende Kundschaft. So wurde in Venedig, wo man den Kaffee seit dem 17. Jahrhundert in den Botteghe delle Acque e dei Ghiacci (Wasser- und Eisläden) servierte, im Jahre 1720 das Kaffeehaus »Caffe alla Venezia Trionfante« eröffnet. Der ursprüngliche Name — vielleicht von dem Wunsch getragen, die Regierenden in der schwierigen militärischen und wirtschaftlichen Lage zu ermutigen oder sich bei ihnen beliebt zu machen – wurde später durch »Caffe Flo­rian«, den Namen seines Gründers Floriano Francesconi, ersetzt. Neben Kaffee wurden auch andere Getränke und Süßigkeiten ser­viert, den Stammgästen standen außerdem Zei­tungen und Zeitschriften für eine angenehme Lesestunde zur Verfügung. Bald wurde das Café Florian zum Mittelpunkt eines regen kul­turellen Meinungsaustausches und Treffpunkt der Geschäftsleute. Der Erfolg war dermaßen überraschend, dass innerhalb von wenigen Jah­ren auf dem Markusplatz 30 Kaffeehäuser aufmachten, aber der bedeutendste Rivale des Café Florian war und ist das Café Quadrier auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes, das nur einige Jahre später eröffnet wurde.

Das älteste Wiener Lokal, wo der braune Aufguss serviert wurde, war das Gasthaus »Zur blauen Flasche«, das 1687 von einem gewissen Georg Kolschitsky ins Leben gerufen wurde, der bei der Befreiung Wiens von der Belage­rung der osmanischen Armee eine bedeutende Rolle gespielt und als Dank auch 500 Säcke Kaffee erhalten hatte, die die Feinde auf ihrer Flucht hinterlassen hatten. Da er mit den Ge­wohnheiten der Araber tief vertraut war, lernte er bald, die Bohnen zu rösten und den Aufguss zu brauen, welcher in der »Blauen Fla­sche« mit halbmondförmigem Gebäck serviert wurde, um den Sieg über die Türken auch würdig zu feiern. So entstanden die überall bekannten Kipferl. Damit bürgerte sich die typisch mitteleuropäische Gewohnheit ein, den Kaffee mit Gebäck und sonstigen Süßigkeiten anzubieten.

Das erste bedeutende Café Ende des 18. Jahr­hunderts in Paris hieß (und heißt auch heute noch) »Procope« nach seinem Gründer Procopio dei Coltelli, einem sizilianischen Edelmann. Zwar ist das »Procope« heute ein Restaurant, doch die magische Atmosphäre der ersten euro­päischen Cafés ist erhalten geblieben. Trotz der stark verwurzelten Gewohnheit der Engländer, Tee zu trinken, konnten sich auch in London zahlreiche Kaffeehäuser ansiedeln. Das erste wurde schon 1652 auf Initiative eines gewissen Pasqua Rosee gegründet.

Was aber die bekannten Kaffeehäuser im Europa des 17. Jahrhunderts verband, war der ursprüngliche Geist der Cafés von Konstanti­nopel: Der Genuss einer Tasse Kaffee war nie Selbstzweck, sondern Vorwand und Anre­gung für gesellige und kulturelle Ziele. In den Kaffeehäusern konnte man Künstler, Literaten und Politiker antreffen, bedeutende Zeitschrif­ten lesen oder Geschäftsverträge abschließen. Viele Jahre hindurch — das ganze 18. Jahrhun­dert – stellten die Kaffeehäuser Europas den Mittelpunkt des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens dar. Verloren gegangen war aber leider die mystische Atmosphäre der ersten orientalischen Cafés, eine Mischung aus Musik, Erzählungen und Legenden einer fer­nen Welt.

Das Aufleben der Kaffeehäuser war also ein eu­ropäisches Ereignis, das nicht nur rein zufällig zur Zeit der Aufklärung einen Höhepunkt er­lebte. Die Entfaltung dieser kulturellen Strö­mung liegt zwischen zwei historischen Meilen­steinen: der englischen Revolution (1688) und dem Beginn der französischen (1789). Es be­steht also eine zeitliche Übereinstimmung zwi­schen der Verbreitung der Kaffeehäuser in Eu­ropa und dem Anbruch des »Zeitalters der Vernunft«. Eine Übereinstimmung auch der Orte, denn gerade in den Kaffeehäusern wurde über Literatur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutiert.

Wahrscheinlich handelte es sich damals um eine gegenseitige Beeinflussung: Die Cafés ga­ben den Protagonisten der kulturellen Erneue­rung gleichzeitig die Gelegenheit und den Vor­wand, sich zu treffen, Meinungen und Ideen auszutauschen, Anregungen zu finden. Das neue Getränk förderte diese regen geistigen Tätigkeiten dank seiner »den angeregten Geist erweckenden Tugend«, wie Pietro Verri in der Einführung zur ersten Ausgabe der Zeitschrift geschrieben hatte, die mit demselben Namen des berauschenden Tranks benannt wurde. Il Caffe erschien vom Juni 1764 bis Mai 1766 in Mailand. Herausgeber war Pietro Verri, Mitar­beiter sein Bruder Alessandro, Cesare Beccaria und zahlreiche andere Intellektuelle jener Zeit, die alle Mitglieder der Accademia dei Pugni (Akademie der Fäuste) waren.

Der Titel dieser Zeitschrift war an und für sich schon eine Provokation, ganz das Gegenteil zu den pompösen Namen der akademischen Blätter jener turbulenten Zeit. Die Artikel verbar­gen hinter scheinbar harmlosen Gesprächen von Kaffeehändlern in Mailänder Cafés kultu­relle und vor allem politische Themen wie die Analyse der zeitgenössischen Moral, die Ethik im Handel und Auseinandersetzungen mit der italienischen Literatur.

Die wohltuende Wirkung des Kaffees auf Geist und Verstand musste wohl auch Voltaire, einer der Hauptfiguren der französischen Aufklä­rung, bekannt sein; man erzählte sich damals, er hätte bis zu fünfzig Tassen Kaffee am Tag ge­trunken. In jener so bedeutsamen Zeit für die gesellschaftliche und kulturelle Weiterent­wicklung stellte der Kaffee nicht nur eine genüssliche Befriedigung für den Gaumen dar, sondern wirkte auch anregend auf die frei­heitsliebenden Geister jenes Zeitalters.

Die Anfänge des Kaffeegenusses

Der Kaffee, ein von den Arabern eingeführ­tes Getränk, verdankt seine Beliebtheit sicher dem Aroma. Bis ins 10. Jahrhundert hinein wurden die Früchte der Kaffeepflanze allerdings verzehrt, aber auch das nur in den Regionen, in denen die Pflanzen wild wuchsen. Bis man die wunderbar anregen­den Eigenschaften der Samen entdeckte, verwandte man nur die dünne Schicht des süßen Fruchtfleisches. Es waren also die Araber, die mit dem Verzehr dieser Bohnen begannen, die zerrieben und mit tierischen Fetten vermischt wurden. Diese stärkende Speise war jedoch nicht sehr verbreitet. Die grünen Samen schmecken eher unangenehm! Etwas später ging man dazu über, die grü­nen Samen in kaltem Wasser einzuweichen, wodurch man ein Getränk erhielt.

Erst im 11. Jahrhundert wurde das Einwei­chen durch Kochen ersetzt, was die Qualität des Getränkes jedoch nicht verbesserte. Im 14. Jahrhundert begann man die Samen zu rösten, und so kam zu der anregenden Wir­kung auch der Genuss. Die gerösteten Kaf­feebohnen wurden anfangs als ganze in Was­ser gekocht, später im Mörser zerrieben; man erhielt so, aufgrund der größeren Kon­taktfläche zwischen Wasser und Kaffee, ein geschmacks- und aromaintensiveres Getränk, da fast alle Substanzen im Wasser gelöst wurden. Es ist nicht geklärt, weshalb dieses Verfahren, das die Araber erfunden haben und das über mehr als vier Jahrhun­derte das einzige blieb, unter der Bezeich­nung »türkischer Mokka« überliefert wur­de. Noch heute wird in verschiedenen Ländern der Kaffee nach dieser Methode zubereitet, in erster Linie in der Türkei und in Griechenland. Eine Variante dazu ist der Aufguss, dasselbe Prinzip wie bei der Teezu­bereitung; das Wasser wird separat zum Kochen gebracht, und erst dann wird der gemahlene Kaffee damit aufgegossen. In jüngerer Zeit wurden zwei weitere Metho­den der Kaffeezubereitung erfunden: der Filterkaffee und der Espresso. In beiden Fällen wird der Kaffee nicht im Wasser ein­geweicht oder gekocht, sondern das Wasser durchläuft gleichsam nur das Kaffeepulver und löst und extrahiert dabei die darin ent­haltenen Substanzen. Bei der Filtermethode wird das Durchlaufen des Wassers nur durch die Schwerkraft bedingt, während bei der Espressomethode ein starker Druck er­zeugt wird, der es ermöglicht, eine größere Menge der im Kaffeepulver enthaltenen Substanzen zu nutzen. Vom türkischen Mokka zum Espresso, der auf das 19. Jahrhundert zurückgeht, hat der Kaffee nicht nur verschiedene Arten der Zubereitung erfahren, sondern wurde auch um verschiedene Zutaten reicher.

Angeblich verdankt man den Hofdamen Ludwigs des XIV. die Idee, den schwarzen Aufguss zu zuckern. Der Zucker wurde manchmal durch Honig ersetzt, man lernte Milch, Sahne oder Alkohol hinzuzufügen, erfand immer gewagtere Kombinationen. Vielleicht ist heute der weltweit verbreitetste und beliebteste Zusatz die mit Dampf auf­geschäumte Milch, deren appetitliches Schaumhäubchen den berühmten italieni­schen Cappuccino ziert.

Die Kaffeerouten

Seit der Kaffeekonsum auch in den Ländern anstieg, die von den Erzeugerländern weit ent­fernt sind, hat man sich für den Transport des Rohguts der Schiffe bedient. Das älteste Doku­ment, in dem die lange Reise des Rohkaffees beschrieben wird, ist wahrscheinlich der Pari­ser Mercure Galant, der 1696 von Gedda als dem ersten Verladehafen für die in der Nähe von Mekka angebauten Bohnen sprach. Zweite Anlegestelle war Suez, wo die Ware gelöscht wurde, um mit Karawanen bis nach Alexandria befördert zu werden. Im dortigen Hafen warteten bereits die venezianischen und fran­zösischen Schiffe auf das Frachtgut, die es nach Venedig bzw. Marseille transportierten. Die erste bedeutende Kaffeeroute führte mit Sicherheit durch das östliche Mittelmeer, wo venezianische, französische, aber auch engli­sche und holländische Handelsschiffe verkehrten. Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Holländer die ersten Plantagen auf Java und Sumatra anlegten, ergänzten die Schiffe auf der Route des Fernen Ostens ihre Ladungen mit dem kostbaren Kolonialgut. Die neue Route war viel länger und gefahrenreicher, da der ganze schwarze Kontinent und vor allem das Kap der Guten Hoffnung umschifft werden mussten. Ungefähr in denselben Jahrzehnten wurden neue Routen von Mittel- und dann auch Südamerika aus erschlossen, die es den Europäern und später auch den Nordamerikanern ermöglichten, die auf Martinique, in Guayana, Brasilien. Jamaika, Mexiko und in den anderen Tropenländern erzeugte Kaffeeproduktion zu importieren. All diese Länder hatten sich für den Anbau des »grünen Goldes« entschieden. Auf den Routen nach dem Fernen Osten segelten vor allem holländi­sche, englische, spanische und portugiesische Schiffe, auf denen nach Amerika französische, englische und portugiesische. In den letzten drei Jahrhunderten hatte der Kaffeeanbau in über 70 Ländern Fuß gefasst, wo das tropische Klima ganz besonders das Wachstum der Kaffeesträucher begünstigt. Zu den alten Routen des Mittleren und Fernen Ostens und Mittel-und Südamerikas kamen im Laufe der Zeit noch jene Ost- und Westafrikas hinzu, um die Produktion der bedeutendsten Erzeugerlän­der wie Äthiopien, Kenia, Tansania und Mada­gaskar einerseits sowie der Elfenbeinküste, Kameruns und Zaires andererseits in die Verbraucherländer zu transportieren. Obwohl die Entfernungen dieselben geblieben sind, konn­ten dank dem technischen Fortschritt die Transportzeiten erheblich verkürzt werden. Die Segelschiffe des 18. Jahrhunderts sind in­zwischen durch die mächtigen Container Giganten abgelöst worden, die in weniger als zwei Wochen die Kaffeesäcke aus Amerika nach Europa befördern; ein enormer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass damals eine Überfahrt lange Monate in Anspruch nahm. Hinzu kommen noch Aspekte wie Zuverlässigkeit und Sicherheit, denn die heutigen supermodernen Frachter fürchten weder Windstille noch See­stürme. Die Eröffnung des Suezkanals war natürlich auch für den Kaffeetransport von unermesslichem Vorteil, da sich die Schiffe auf den Orient- und Ostafrikarouten das Umfah­ren des afrikanischen Kontinents ersparten und somit Zeit und Kosten erheblich reduzie­ren konnten. In letzter Zeit gab es aber auch in der Transportweise große Umwälzungen: die Beförderungskosten, die einst höher waren als der Preis des Kaffeeguts, mussten unbedingt ge­senkt werden. So ging man von den traditionel­len Pflanzenfasersäcken (Jute oder Sisal), die in den Schiffsbäuchen gestapelt wurden, auf Container über. Diese belud man mit Säcken; um aber Arbeitskosten einzusparen, wird der Rohkaffee jetzt mechanisch in die Container (full-container) verladen und ausgeladen. Vor­behalte hinsichtlich einer Qualitätsbeeinträch­tigung konnten dank der Belüftungssysteme der Container weitgehend abgebaut werden. Das Full-Container-System ist zurzeit noch nicht stark verbreitet, da es technisch noch nicht ganz ausgereift ist.