Das Koffein

In der westlichen Welt hat der Kaffee in sei­ner etwa dreihundertjährigen Geschichte dank zwei seiner Eigenschaften eine Anhänger Schar erobert, die über 90% der Er­wachsenen ausmacht: sein Wohlgeschmack und seine anregende Wirkung. Von den über 1200 chemischen Bestand­teilen des Kaffees wirken viele anregend auf die Geschmacks- und Geruchsempfindun­gen; dem Koffein ist allerdings die physio­logische Wirkung auf den menschlichen Körper zuzuschreiben. Seit dem 17. Jahr­hundert sind einige therapeutische Eigen­schaften dieser Substanz bekannt, die zum Beispiel zur Behandlung von Gicht und Pellagra genutzt werden. Heute sind dies sicher keine Krankheiten mehr, die die Menschen erschrecken, aber man schätzt weiterhin die wohltuende Wirkung des Kaffees zur Förde­rung der Verdauung, da er die Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse stimuliert, harntreibend ist und den Kreislauf reguliert und anregt. Seine wichtigste Wirkung hat das Koffein auf das Zentralnervensystem. Es steigert die Aufmerksamkeit, verbessert die Konzentra­tions- und Merkfähigkeit, verringert die An­sprechzeiten auf äußere Beize (d. h. es ver­bessert die Reflexe) und wirkt sich, laut jüngsten Forschungen, anscheinend auch sehr positiv auf die Stimmung aus. Diese Substanz, die so viele Wunder be­wirkt, ist chemisch gesehen ein Alkaloid, ge­nauer gesagt 1,3,7 Trimethylxanthin, eine weiße, geruchlose, bittere, wasserlösliche Substanz. Bei den verschiedenen Zubereitungsarten des Kaffees wird das Trimethylxanthin fast vollständig aufgelöst; eine Aus­nahme bildet der Espresso. Aufgrund der geringen Wassermenge bei dieser Methode und der kurzen Berührungszeit mit dem Wasser (etwa 30 Sekunden) bleibt die Sub­stanz erhalten, vor allem wenn der Espresso besonders stark zubereitet wird. Trotz der zahlreichen wohltuenden Wirkun­gen des Koffeins sollte Kaffee nur in Maßen genossen werden, auch wenn nur sehr große Dosen gefährlich werden (10 Gramm oder etwa 100 Tassen Espresso pro Tag). Die ideale   Menge  für einen  Erwachsenen  ist 300-400 Milligramm pro Tag, d. h. etwa vier Tassen Espresso aus Arabica-Kaffee. Diese Art enthält 1,1-1,7% Koffein, Robusta-Kaffee hingegen 2-4,5%. Außerdem werden für eine Tasse Espresso 6-7 Gramm Kaffee verwendet, anstatt der 10-15 Gramm für eine auf andere Art zubereitete Tasse Kaffee.

Aber nicht alle Menschen bauen Koffein gleich schnell ab. Durchschnittlich verar­beitet jeder Mensch stündlich 20% des im Blutkreislauf befindlichen Koffeins; es gibt allerdings große Unterschiede von Mensch zu Mensch. Bei Frauen erfolgt dieser Vor­gang im Allgemeinen schneller als bei Män­nern, ausgenommen während der Schwan­gerschaft; dann werden die Zeiten so lang, dass vom Kaffeetrinken ganz abgeraten wird. Koffein ist auch und vor allem von denjenigen zu meiden, die an Gastritis, an Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren oder an Kreislaufstörungen leiden. Wollen wir die für jeden von uns optimale Menge kennenlernen, müssen wir selbst versuchen herauszufinden, ob unser Körper Koffein schnell oder langsam abbaut, und müssen daran denken, dass die zwei häufigsten Arten der Kaffeepflanze Koffein in unter­schiedlichen Anteilen enthalten. Unser Organismus verfügt jedoch über ein wirksames System zur Selbstanalyse, und das wird uns helfen, die Anzahl von Tassen zu bestimmen, die uns ein Maximum an wohltuender Wirkung und Kaffeegenuss und ein Minimum an Problemen schafft. Auf jeden Fall ist es besser, mehrmals am Tage kleine Mengen Koffein zu sich zu neh­men, als konzentrierte Mengen auf einmal. Das erklärt den Erfolg des Espressos: sein Koffeingehalt ist geringer als bei anderen Arten der Zubereitung (90-150 mg pro Tasse gegenüber 150-300 mg), und er kann mehr­mals am Tag und nicht unbedingt nur nach dem Essen getrunken werden.

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