Die Kaffeeernte

Die Kaffeepflanze wächst in Gebieten, in denen die Jahreszeiten immer gleichblei­bend sind, wo stets Frühjahrs- oder Som­mertemperaturen vorherrschen, die Sträu­cher immer grün sind und ständig Früchte tragen; denn die Blütezeit der Kaffeepflanze hängt nicht — wie es in unseren Breiten­graden der Fall ist — von der im Frühling ansteigenden Temperatur ab, sondern nur von der Häufigkeit der Niederschläge, denn zwei Wochen nach jedem Regenfall blüht der Strauch auf. Wenn es in einem Jahr zehnmal regnet, wird der Strauch auch zehnmal blühen; regnet es nur zweimal, blüht er nur zweimal. Temperatur und Regenfälle sind für die Kaffeeplantagen sehr wichtig; demzufolge muss man sich nicht wundern, wenn einige Wochen unvorherge­sehener Trockenheit in Brasilien die Preise auf den Weltmärkten sofort nach oben schnellen lassen. In einigen Ländern, wie auch in Brasilien, wo der Monsunregen fällt, konzentrieren sich die Niederschläge auf be­stimmte Monate, wogegen es in anderen Ge­genden sehr unregelmäßig regnet. Die Häu­figkeit der Niederschläge wirkt sich nicht zuletzt auch auf die Methoden der Kaffeeernte aus. Die Frucht der Robusta reift in 9-11 Monaten heran, die der Arabica in 6-8 Monaten. Wenn die Niederschläge über das ganze Jahr verteilt sind, hängen auf einem Strauch sowohl Blüten wie Früchte in den verschiedenen Reifephasen. Es sind also so viele Ernten notwendig, wie es Blütezeiten, d.h. Regenfälle gegeben hat; diese beein­flussen nicht nur die gesamte Ernte, son­dern auch die Gleichförmigkeit der Reifung, was sich wiederum auf die Arbeit der Plan­tagenbetreiber auswirkt, die das günstigste Erntesystem entwickeln müssen. Nach der Blüte, die nur wenige Tage dauert, ent­wickelt sich aus dem Fruchtknoten sehr schnell eine anfangs grüne Frucht; nach 6-12 Wochen Reifung hat die Kirsche ihre endgültige Größe erreicht. In den letzten Wochen ändert sich die Farbe der Früchte, zuerst werden sie gelb und dann leuchtendrot. Nur bei einigen Sorten, wie z.B. der Bourbonsorte, sind die reifen Kaf­feekirschen gelb. Wenn man sie nicht recht­zeitig pflückt, werden sie zuerst granatrot und dann bräunlich, das Fruchtfleisch und die Schale trocknen ein, die Früchte werden hart und fallen schließlich ab. In Zeiten, in denen die Kaffeepreise sehr niedrig sind, werden nur die trockenen, auf dem Boden liegenden Früchte geerntet. Die sorgfälti­gere und deshalb teurere Ernte erfolgt nach dem sogenannten Picking-System: in Ab­ständen von mehreren Wochen werden die reifen, dunkelroten Früchte einzeln gepflückt und die unreifen auf dem Strauch gelassen. Dieses System wird in erster Linie bei Pflanzungen der Sorte Arabica ange­wandt, wo man auf die Erntequalität großen Wert legt. Eine andere, sehr verbreitete Me­thode ist das Stripping. Man wendet es in den Ländern an, wo sich die Niederschläge auf eine oder mehrere Perioden konzentrie­ren. Bei dieser Erntemethode wartet man ab, bis die meisten Früchte reif sind, und streift sie dann, vom Zweigansatz nach außen, von den Zweigen ab. Man geht dabei vom Zweigansatz aus und streift mit den Händen die Früchte ab und lässt sie auf den Boden fallen oder fängt sie in Körben auf. Diese Erntemethode ist sehr verbreitet; sie begünstigt allerdings den Befall durch in der Erde befindliche Bakterien, Mikroben und Pilze; häufig wird dadurch ein Gärungsprozess ausgelöst, oder es werden Krankheiten hervorgerufen, die die Bohnen beschädigen. In vielen Ländern, insbesondere in Brasi­lien, hat man oft versucht, die Kaffeeernte zu mechanisieren. Es werden Maschinen mit zwei senkrecht angebrachten Bürsten eingesetzt, durch deren Gegendrehungen die Früchte, aber auch ein Großteil der Blätter abgeris­sen werden. Diese Maschinen werden zurzeit nur in wenigen Plantagen in der Ebene benutzt; ihrer Verbreitung sind Grenzen ge­setzt, denn die Schäden an den Kaffeepflan­zen sind oft erheblich. Nur die Picking-Methode garantiert eine gleichmäßige Reifung der Früchte; mit der Stripping Methode oder den Maschinen werden reife, unreife und überreife Früchte gleichzeitig geerntet, was zwei Probleme mit sich bringt. Zum einen ist der Anteil an nicht vollständig aus­gereiften oder überreifen Früchten unter­schiedlich groß.

Unterschiedliche Kaffeepartien, auch wenn diese von naheliegenden Gebieten und Pflanzen derselben Art abstammen, wer­den durch verdorbene Bohnen im Endge­schmack stark beeinträchtigt. Zum anderen beginnen mit großer Wahrscheinlichkeit unter den überreifen Früchten einige be­reits zu gären. Eine nicht ausgereifte Frucht hat »nur« einen bitteren, adstringierenden und weitaus weniger aromatischen Geschmack; eine gärende hingegen kann sehr unangenehm riechen: sie wird als Stinker bezeichnet und kann eine große Menge Boh­nen verderben. In den letzten zehn Jahren sind jedoch elek­tronische Auslesemaschinen entwickelt worden, die schlechte Früchte aus »eiligen« Stripping Ernten größtenteils aussortieren können.

Die Bedeutung des Klimas ideale Wachstumsbedingungen für Kaffee­pflanzen findet man in drei großen Gebieten der Tropen: Mittel- und Südamerika, Zen­tralafrika, Indien, Indonesien und Papua-Neuguinea. Unabhängig von der Sorte, sei es Arabica oder Robusta, müssen die Pflan­zen vor Frost geschützt werden; er ist ihr größter Feind und kommt, je nach Breiten­grad, in verschiedenen Höhenlagen vor. Während er am Äquator nicht unter 2500 Meter Höhe auftaucht, kann er sich in den Tropen auch bei 100-200 Metern bilden. In den Äquatorgebieten findet man also Kaf­feeplantagen auch über 2000 Metern, in den Tropen hingegen in tieferen Lagen bis auf Meereshöhe. Zwei Faktoren müssen bei der Wahl der anzubauenden Kaffeesorte be­rücksichtigt werden: Höhenlage und Tempe­ratur. Die Arabica-Plantagen gedeihen am besten in Höhen über 900 Metern und bei Durchschnittstemperaturen von 20-25 °C, die der Robusta auch in niedrigeren Lagen und bei höheren Temperaturen, und zwar zwischen 24 °C und 26 °C. Die Mindesttem­peratur für beide Sorten darf allerdings nicht unter 15 °C sinken und die Höchsttemperatur 30°C nicht übersteigen. Auch die Miederschläge sind lebenswichtig für diese Pflanzen und müssten bei 1500-2000 Millimeter pro qm jährlich liegen; wenn sie unter 1000 Millimeter sinken, ist der Erfolg des Anbaus in Frage gestellt. Ideal ist ein Mittelwert; das ist wichtig, weil dadurch der Wasserverlust durch Verdunstung einge­schränkt wird. Auch auf die Sonnenein­strahlung muss geachtet werden, denn die Pflanzen ertragen starke Sonne nur einige Stunden am Tag. Die Sonneneinstrahlung lässt sich dosieren, indem man für die Plan­tagen günstig gelegene Hänge aussucht oder sogenannte »Schattenbäume« pflanzt: Es handelt sich hierbei um hohe Bäume mit einer sehr breiten Krone, die zwischen die Kaffeesträucher gepflanzt werden und sie vor den starken Sonnenstrahlen schützen. Die Schattenbäume schützen die Kaffee­pflanzen auch vor Frostschäden, die durch den nächtlichen Raureif verursacht wer­den können. Dieser natürliche Schutz wird nicht häufig angewandt, denn aufgrund der verminderten Sonneneinstrahlung fällt die Ernte dann nicht so reich aus. Plantagen sind auch empfindlich gegen Wind, denn die Zweige der Kaffeesträucher sind nicht be­sonders kräftig, und zu starke Winde kön­nen sie ernsthaft beschädigen. Zusätzlich zu den klimatischen Bedingungen muss auch auf die Beschaffenheit des Bodens geachtet werden. Die Wurzeln der Kaffeepflanze dringen bis etwa eineinhalb Meter in den Erdboden ein; dieser muss fruchtbar, tief und möglichst leicht säurehaltig sein (pH-Wert zwischen 5 und 6); Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium sollten zu mehr oder weniger gleichen Anteilen vorhanden sein und eine gute Be- und Entwässerung gewährleisten. Sollten nicht alle diese Voraus­setzungen gegeben sein, müssen chemische oder organische Düngemittel eingesetzt werden. Gute Erträge einer Plantage sind vor allem auf die klimatischen Bedingungen und die Bodenbeschaffenheit zurückzuführen, denn es stehen nur geringe Mittel zur Verfü­gung, um die natürlichen Gegebenheiten zu verbessern.

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