Die Kaffeeprobe

Wesentlicher Bestandteil des Kaufvertrags ist neben Preis, Zahlungs- und Lieferbedin­gungen sowie Versicherung die Beschreibung der Eigenschaften des Kaffees. Da aber in der notwendigerweise kurz gefassten Beschreibung des Vertragsgegenstands die Kaffeequalität nur annähernd festgelegt wird, kann der Käufer eine Kaffeeprobe verlangen, um fest­stellen zu können, ob die Qualität auch seinen Erfordernissen entspricht und der ver­langte Preis gerechtfertigt ist. Da Geschmack und Geruch die bedeutendsten Eigenschaften einer Kaffeepartie sind, werden mit einem Teil der Probe — ca. 100-300 g — eine oder mehrere Tassen Aufguss zur Verkostung vor­bereitet. Dazu braucht man eine kleine Kaffeeröstmaschine, eine kleine Mühle und ein Gerät zur Kaffeebereitung: meistens genügt ein Sieder, denn im allgemeinen wird zur Ver­kostung folgendes Rezept angewandt: man lässt 10 g gemahlenen Kaffee fünf Minuten lang in 150 ml siedendem Wasser ziehen, Da keine Standardregeln zur Verkostung beste­hen und die anderen Anhaltspunkte wie Röstweise und Klassifikation des Getränks von Land zu Land — und sogar von Betrieb zu Betrieb — verschieden sind, ist man sich in der Endbewertung nicht immer einig. Zur Verkostung benützt man einen rundlichen, breiten Löffel, den goute-cafe, der dem taste-vin der Sommeliers gleichzustellen ist. Der Kaffee wird ungezuckert verkostet. Da aber die Kaffeekoster nicht große Mengen Kaffee trinken können, wird der Kaffee nach Be­wertung und Notierung der Eigenschaften wieder ausgespuckt. Die Klassifikation gründet sich auf bestimmte Charakteristika und geschmacks- und aromabezogene Bezeich­nungen für das Getränk: Die sicherlich bun­teste und reichste Fachsprache in dieser Hin­sicht ist die der Brasilianer. In Italien z.B., wo praktisch nur Espresso getrunken wird, werden die Proben so vorbereitet, dass vor allem die Espresso-spezifischen Eigenschaf­ten der Kaffeepartie in den Vordergrund ge­stellt werden. Im Allgemeinen findet die Ver­kostung vor Vertragsabschluss statt, manch­mal auch anschließend, aber nur wenn die Klausel »unter Vorbehalt der Musterbilli­gung« vorgesehen ist. Das bedeutet, dass der Vertrag annulliert werden kann, falls das Muster nicht den Vorstellungen des Käufers entspricht.  Die  Probenreste werden  übli­cherweise aufbewahrt, um sie mit der gekauf­ten Ware zu vergleichen. Wer also prinzipiell den Kaffee immer verkostet, verfügt auch über ein Labor für die Zubereitung, die Ver­kostung und die Archivierung der Kaffee­proben.

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