Die Kaffeerouten

Seit der Kaffeekonsum auch in den Ländern anstieg, die von den Erzeugerländern weit ent­fernt sind, hat man sich für den Transport des Rohguts der Schiffe bedient. Das älteste Doku­ment, in dem die lange Reise des Rohkaffees beschrieben wird, ist wahrscheinlich der Pari­ser Mercure Galant, der 1696 von Gedda als dem ersten Verladehafen für die in der Nähe von Mekka angebauten Bohnen sprach. Zweite Anlegestelle war Suez, wo die Ware gelöscht wurde, um mit Karawanen bis nach Alexandria befördert zu werden. Im dortigen Hafen warteten bereits die venezianischen und fran­zösischen Schiffe auf das Frachtgut, die es nach Venedig bzw. Marseille transportierten. Die erste bedeutende Kaffeeroute führte mit Sicherheit durch das östliche Mittelmeer, wo venezianische, französische, aber auch engli­sche und holländische Handelsschiffe verkehrten. Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Holländer die ersten Plantagen auf Java und Sumatra anlegten, ergänzten die Schiffe auf der Route des Fernen Ostens ihre Ladungen mit dem kostbaren Kolonialgut. Die neue Route war viel länger und gefahrenreicher, da der ganze schwarze Kontinent und vor allem das Kap der Guten Hoffnung umschifft werden mussten. Ungefähr in denselben Jahrzehnten wurden neue Routen von Mittel- und dann auch Südamerika aus erschlossen, die es den Europäern und später auch den Nordamerikanern ermöglichten, die auf Martinique, in Guayana, Brasilien. Jamaika, Mexiko und in den anderen Tropenländern erzeugte Kaffeeproduktion zu importieren. All diese Länder hatten sich für den Anbau des »grünen Goldes« entschieden. Auf den Routen nach dem Fernen Osten segelten vor allem holländi­sche, englische, spanische und portugiesische Schiffe, auf denen nach Amerika französische, englische und portugiesische. In den letzten drei Jahrhunderten hatte der Kaffeeanbau in über 70 Ländern Fuß gefasst, wo das tropische Klima ganz besonders das Wachstum der Kaffeesträucher begünstigt. Zu den alten Routen des Mittleren und Fernen Ostens und Mittel-und Südamerikas kamen im Laufe der Zeit noch jene Ost- und Westafrikas hinzu, um die Produktion der bedeutendsten Erzeugerlän­der wie Äthiopien, Kenia, Tansania und Mada­gaskar einerseits sowie der Elfenbeinküste, Kameruns und Zaires andererseits in die Verbraucherländer zu transportieren. Obwohl die Entfernungen dieselben geblieben sind, konn­ten dank dem technischen Fortschritt die Transportzeiten erheblich verkürzt werden. Die Segelschiffe des 18. Jahrhunderts sind in­zwischen durch die mächtigen Container Giganten abgelöst worden, die in weniger als zwei Wochen die Kaffeesäcke aus Amerika nach Europa befördern; ein enormer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass damals eine Überfahrt lange Monate in Anspruch nahm. Hinzu kommen noch Aspekte wie Zuverlässigkeit und Sicherheit, denn die heutigen supermodernen Frachter fürchten weder Windstille noch See­stürme. Die Eröffnung des Suezkanals war natürlich auch für den Kaffeetransport von unermesslichem Vorteil, da sich die Schiffe auf den Orient- und Ostafrikarouten das Umfah­ren des afrikanischen Kontinents ersparten und somit Zeit und Kosten erheblich reduzie­ren konnten. In letzter Zeit gab es aber auch in der Transportweise große Umwälzungen: die Beförderungskosten, die einst höher waren als der Preis des Kaffeeguts, mussten unbedingt ge­senkt werden. So ging man von den traditionel­len Pflanzenfasersäcken (Jute oder Sisal), die in den Schiffsbäuchen gestapelt wurden, auf Container über. Diese belud man mit Säcken; um aber Arbeitskosten einzusparen, wird der Rohkaffee jetzt mechanisch in die Container (full-container) verladen und ausgeladen. Vor­behalte hinsichtlich einer Qualitätsbeeinträch­tigung konnten dank der Belüftungssysteme der Container weitgehend abgebaut werden. Das Full-Container-System ist zurzeit noch nicht stark verbreitet, da es technisch noch nicht ganz ausgereift ist.

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