Die 4 M beim Espressokochen
Die Mischung
Mit einer Espressomischung will man die Geschmacks- und Aromamerkmale des Getränks optimieren. Der Geschmack muss harmonisch sein. Süße ist ohne Zweifel überall beliebt, das Verhältnis zwischen bitter und sauer muss auf den überwiegenden Geschmack der Verbraucher abgestimmt werden, der regional unterschiedlich ausfällt. Aroma wird von allen geschätzt; eine gute Kaffeemischung sollte deshalb möglichst viel Aroma besitzen. Man darf dabei jedoch nicht nur an die Quantität, sondern muss auch an die Qualität denken. Das Aroma muss angenehm sein, die Palette seiner Düfte breit und sortentypisch, um jeder Mischung einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen. Der Körper schließlich soll voll sein: Körperreichtum ist für den Kenner eine Garantie für eine gute Mischung und eine korrekte Zubereitung. Der Röster kann hauptsächlich mit zwei Elementen spielen: Zusammensetzung der Mischung und Röstgrad. Für eine Mischung werden verschiedene Kaffeepartien verwendet: Jede von ihnen hat eigene und unnachahmliche organoleptische Merkmale. Um konstant das beste Ergebnis zu erzielen, muss man also die Partien auswählen, indem man jeweils eine Probe davon versucht.
Man muss die Mischung so zusammenstellen, dass Geschmack und Aroma ausgeglichen werden, und die Zusammensetzung der Mischung jedes mal »eichen«, wenn eine neue Partie verwendet wird. Diese Methode liefert konstante Ergebnisse. Die weiter verbreitete Methode legt einmal eine Mischung nach dem oben beschriebenen Verfahren fest und behält sie dann bei: stets werden Kaffeepartien gleicher Herkunft und gleicher Beschreibung im selben Verhältnis gemischt.
Das erleichtert die Arbeit, die Qualität der Mischung ist jedoch weniger konstant. Um eine Vorstellung von der idealen Zusammensetzung einer Espressomischung zu geben, lassen sich die Kaffee-Arten nochmals in drei Gruppen unterteilen: natürlicher Arabica, gewaschener Arabica und Robusta-Kaffee. Robusta-Kaffee hat außer dem niedrigen Preis einen weiteren Vorzug: Er gibt dem Espresso viel Körper. Dieser Vorteil wird jedoch durch zahlreiche Nachteile wie höherer Koffeingehalt, stärkerer Bittergeschmack, oftmals adstringierende Wirkung und Mangel an Aromen (meist holzartig und erdig) beeinträchtigt, so dass von seiner übermäßigen Verwendung abgeraten wird. Die ideale Mischung besteht deshalb aus natürlichen und gewaschenen Arabica-Sorten. Erstere (vorzugsweise brasilianischer Santos) haben einen ausgewogenen Geschmack und ein mittelstarkes, weitgefächertes Aroma; sie sind in Anteilen von auch mehr als 50% die ideale Grundlage für jede Mischung. Die gewaschenen Sorten hingegen sind im allgemeinen weniger bitter und enthalten mehr Säure, sie haben ein sehr intensives, weniger breit gefächertes Aroma, ein blumiges, fruchtiges Bukett, das manchmal angenehm an den Geschmack von getoastetem Brot erinnert. Aus zwei Gründen jedoch darf man sie nicht zu viel verwenden: Ihre charakteristische Säure wird bei der Zubereitung von Espresso unterstrichen, und ihre Masse ist oft sehr hart, fast zäh.
Nach dem Mahlen sind die Teilchen sehr homogen; für den Durchlass der Makromoleküle der Kolloide (die so wichtig für den Körper sind) ist jedoch eine differenziertere Körnung vorzuziehen, wie sie für die naturbelassenen Arabica-Sorten kennzeichnend ist.
Eine Espressomischung kann bei sehr hohen Temperaturen geröstet werden, die eine optimale Entfaltung der Aromastoffe ermöglichen; der ausgeprägt bittere Geschmack, wie er für dunkel gerösteten Kaffee typisch ist, ist hier kein Nachteil. Er wird, wie wir gesehen haben, durch die Kolloide neutralisiert. Je nach Verbrauchergeschmack geht der Röstgrad von mittel (zum Beispiel für Norditalien) bis dunkel (für den Süden). Im allgemeinen werden dunkler geröstete Mischungen dort bevorzugt, wo der Espresso besonders stark getrunken wird: Der ausgeprägtere bittere Geschmack wird so durch eine größere Konzentration an Kolloiden ausgeglichen.
Die Mühle
Die Hauptfunktion der Mühle besteht darin, die gerösteten Bohnen in kleine Teilchen zu zermahlen, um die Kontaktfläche mit dem heißen Wasser zu vergrößern und dadurch das Extrahieren der löslichen Substanzen zu begünstigen. Die Teilchen dürfen jedoch nicht zu fein sein, sonst ist der Widerstand gegen das durchlaufende Wasser zu hoch; ihre Größe muss darüber hinaus ausreichend Platz lassen, um die Migration der Makromoleküle der im Wasser emulgierten Kolloide zu ermöglichen. Die Körnung des Mahlguts muss also sehr differenziert sein, d.h. sie muss von ganz feinem Staub bis zu Teilchen mit fast einem Millimeter Durchmesser gehen. Nur so ist das richtige Verhältnis zwischen Kontaktfläche, Widerstand gegen das durchlaufende Wasser und Raum zwischen den Teilchen gewährleistet.
Die Mahlflächen bestehen meist aus gehärtetem Schmiedestahl. Sie können flach oder kegelförmig sein und haben spitze Zähne, die die Bohnen festhalten und in immer feinere Teile zerkleinern. Die Entfernung zwischen den Mahlflächen kann je nach Mahlgrad eingestellt werden. Es gibt keine exakte Methode zur Bestimmung des richtigen Mahlgrades (der auch von Maschine zu Maschine unterschiedlich ist), was zählt, ist meist die Erfahrung mit Mühle und Mahlgut.
Die Regel besagt, dass Espresso mit 6—7 Gramm Kaffee bei einer Wassertemperatur von 90 °C mit 9-10 Atmosphären in 30 Sekunden (20 bei Haushalts-Espressomaschinen) zubereitet wird. Ist die Zeit länger, so ist das Mahlgut zu fein, d. h. der Abstand zwischen den Mahlflächen wird erhöht. Ist die Extraktionszeit geringer, so ist das Mahlgut zu grob. Es ist unmöglich, a priori festzulegen, wie viel gröber oder feiner die Mischung sein muss; man muss probieren und wieder probieren, bis man den richtigen Grad findet. Die Mahlflächen, das Herzstück der Mühle, nutzen sich ab und müssen deshalb von Zeit zu Zeit erneuert werden. Öfter, wenn sie eben und klein sind, seltener, wenn sie einen großen Durchmesser haben oder kegelförmig sind (manche können mehr als 1000 kg Kaffee mahlen).
Nach dem Mahlen fällt das Pulver in die Dosiervorrichtung, wo der Kaffee aufbewahrt und das richtige Volumen bestimmt wird. Eine Waage drückt das Volumen der von der Dosiervorrichtung ausgegebenen Pulvermenge in Gewicht aus. Änderungen der Mischung oder des Mahlgrades verändern das spezifische Gewicht des Mahlguts und erfordern deshalb eine Kontrolle und Einstellung der abgegebenen Portion, um deren Gewicht konstant zu halten. Mahlgrad und
Dosis müssen praktisch täglich kontrolliert und eingestellt werden.
Die Maschine
Das dritte »M« bei der Kaffeezubereitung ist die Espresso-Maschine: Sie liefert dem Wasser, das das Kaffeepulver durchlaufen und dessen beste Substanzen festhalten muss, Energie. Die dem Wasser verliehene Energie besteht aus Wärme und Druck, die von getrennten Quellen erzeugt werden, damit sie einzeln ganz genau dosiert werden können: Hierin liegt das Geheimnis der Espressomethode.
Die Wärmezufuhr ist so dosiert, dass das Wasser nicht kocht, die richtige Temperatur liegt bei 90 °C, während der Druck eher hoch ist (9-10 Atmosphären). Meistens ist die Wärmequelle ein elektrischer Widerstand im Kessel; als Alternative dazu verwendet man manchmal Gas. Der Druck wird im allgemeinen von einer elektrischen Pumpe erzeugt, vom Antrieb einer vorher aufgezogenen großen Feder oder vom Schub des Leitungswassers, der durch das Spiel von Kolben verschiedener Durchmesser verstärkt wird. Herzstück der Espressomaschine ist die Ausgabevorrichtung, der zugänglichste Teil der Maschine; hier wird der gemahlene Kaffee in einen Filter mit flachem Boden und vielen winzigen Löchlein eingefüllt. Über dem Filter verteilt eine Sprühvorrichtung gleichmäßig das Wasser bei richtiger Temperatur und richtigem Druck. Das Wasser durchfließt das Pulver, extrahiert dabei die löslichen Stoffe sowie einige Gase und emulgiert Kolloide und Öle. Wenn die Flüssigkeit die Löcher auf dem Boden des Filters erreicht, werden durch die Ausdehnung die gelösten Gase frei, die zusammen mit den emulgierten Substanzen die winzigen Bläschen formen, die die Creme des Espressos kennzeichnen. Unter dem Filter wird der Kaffee in der Filterwanne gesammelt und über einen oder zwei Ausgießer auf die Tassen verteilt.
Die Ausgabevorrichtung ist der Teil der Maschine, der tägliche Pflege und Reinigung braucht, denn er kommt direkt mit dem gemahlenen Kaffee in Berührung; nach der Benutzung müssen die Sprühvorrichtungen, Filter und Filterwannen sorgfältig gereinigt werden. Diese Teile, wie auch die Pumpe, nutzen sich ab und müssen deshalb regelmäßig kontrolliert und eventuell erneuert werden. Um Kalkablagerungen im Kessel der Maschine zu vermeiden, verwendet man Wasserenthärter, meist auf kationischer Harzgrundlage, die die Kalzium- und Magnesiumionen des Wassers gegen Natrium-und Kaliumionen austauschen. In den kleinen Espressomaschinen für den Hausgebrauch kann anstelle des Wasserenthärters Mineralwasser (ohne Kohlensäure) mit geringem Mineralsalzgehalt verwendet werden. Das schützt die Maschine und ergibt, wegen der besseren Wasserqualität, auch einen besseren Espresso.
Der Mensch
Bei den ersten Espressomaschinen, die mit Dampfdruck arbeiteten, spielte der Faktor
Mensch eine grundlegende Rolle, aber auch heute noch ist bei der Zubereitung von Espresso ein gewisses Fingerspitzengefühl vonnöten. Durch den Einsatz neuer Technologien beim Bau von Espressomaschinen, bis hin zur Elektronik, wurde die Zubereitung einfacher und in einigen Fällen auch schneller, aber die Endqualität hängt immer noch zum Großteil vom Können des Bedieners ab, der sich günstigsten Falls zu einem echten Meister des Espressos entwickelt. Drei Aufgaben hat dieses vierte M: Die Auswahl der ersten drei, die Kontrolle, Einstellung, Reinigung und Wartung der Maschine sowie die eigentliche Zubereitung des Espressos. Nur eine gute Mischung, Mühle und Maschine ergeben einen guten Espresso. Die Wahl will deshalb überlegt sein. Man untersucht darum verschiedene Alternativen, wobei nicht nur Qualität und Zuverlässigkeit, sondern auch vom Hersteller garantierte Betreuung und Kundendienst zu beurteilen sind.
Folgende Werte sind kontinuierlich zu überwachen: Für Mühle und Dosiervorrichtung das Gewicht der Kaffeeportionen (zwischen 6 und 7 Gramm) sowie der Mahlgrad (damit der Espresso in 20-30 Sekunden durchläuft), für die Espressomaschine Wassertemperatur (zwischen 88 und 92 °C) und
-druck (9-10 Atmosphären). Wenn einer dieser Werte von der Vorgabe abweicht, müsste man eine erneute Einstellung vornehmen oder den Kundendienst anfordern. Einige Teile der Geräte müssen regelmäßig gereinigt werden: Einmal wöchentlich der Behälter für die Bohnen und die Dosiervorrichtung der Mühle; täglich Filter, Filterwannen und Sprühvorrichtungen der Maschine. Einige dieser Komponenten sind Verschleißteile; insbesondere Mahlflächen, Filter und Sprühvorrichtungen sind von Zeit zu Zeit auszutauschen. Das und gegebenenfalls das Entkalken der Maschine sind die Wartungsarbeiten, die der Mensch übernehmen muss. Bei Zubereitung des Espressos sollten nun einige Ratschläge befolgt werden:
1) die Filterwanne immer an der Maschine eingehängt lassen, damit sie nicht abkühlt;
2) sorgfältig den vorhergehenden Kaffeesatz entfernen, indem man die Filterwanne kräftig in dem entsprechenden Kasten ausklopft;
3) die Kaffeeportion entnehmen, d. h. den Hebel der Dosiervorrichtung ziehen und dann loslassen. Den Hebel nicht mit der Hand zurückführen, denn die Wirkung einer Feder lässt ihn zurückschnellen, und dieser Schlag garantiert, dass die gesamte Portion abgegeben wird;
4) den Kaffee fest in den Filter drücken, möglichst mit einer kleinen Handpresse mit geradem Boden, die parallel zum Filterboden zu halten ist;
5) den Rand des Filters reinigen, bevor dieser an der Maschine eingehängt wird;
6) gut vorgewärmte, nicht zu große Tassen verwenden;
7) gleich nach dem Einhängen der Filterwanne den Ausgabevorgang starten.
8.) auch bei automatischen Maschinen überprüfen, dass sich die Tassen mit der gewünschten Menge füllen (nicht immer geben die beiden Auslässe gleich viel ab).
Arbeit und Mühen eines »Espressomeisters« sind also nicht zu unterschätzen; genauso groß ist jedoch seine Befriedigung, wenn er einen perfekten Kaffee servieren kann. Kürzlich haben einige Firmen (Nestle und lllycaffe) zur Erleichterung der menschlichen Aufgaben bereits gemahlene Kaffeeportionen entwickelt, die in einer besonderen Verpackung dosiert sind. Sie sind in Espressomaschinen einzufüllen, die extra zur Aufnahme dieser Portionen angelegt sind. Die Einzelportion von Nestle hat eine Aluminiumhülle, während die von Illycaffe gut gepresst zwischen zwei Schichten Filterpapier eingeschlossen ist.
Dank dieser beiden Systeme wird die Zubereitung eines Espressos so vereinfacht, dass keine Kenntnisse und Anstrengungen erforderlich sind; das System reduziert auch die komplizierten Reinigungs- und Wartungsarbeiten an der Maschine beträchtlich. Und so wird die Zubereitung eines Espressos, einem hochkomplizierten Konzentrat von Geschmack und Aroma, zur einfachsten Sache der Welt.